Die österreichische
Nation ist ihrem kulturellen und geistigen Bilde nach eine
multiethnische Nation.
Durch Jahrhunderte gemeinsamer Entwicklung von Menschen mit
verschiedenen Sprachen, Kulturen und Religionen wurde das
Land geprägt. Wir Österreicherinnen und Österreicher können
mit Recht stolz auf die Vielfalt unserer Heimat sein, auf
die Vielfalt unserer Sprachen und Kulturen und auf unsere
Volksgruppen.
Denn österreichisch sein heißt, von allem ein bißchen zu haben.
Ein bißchen Kroatisch, ein bißchen Ungarisch, Slowenisch,
Tschechisch und Slowakisch, ein bißchen Romanes, ..., und
natürlich Deutsch. Die Abgrenzung und Ausgrenzung der alten
und neuen Minderheiten untergräbt die österreichische kulturelle
Identität als Ganzes.
Minderheitenfragen sind Grundfragen der Demokratie.
Minderheiten an den sozialen und rechtlichen Rand zu drängen,
sie auszugrenzen und zu stigmatisieren bedeutet einen ständigen
Druck auf die Minderheitenangehörigen, ihre eigene Identität
aufzugeben und zu verleugnen. Eine alternative Minderheitenpolitik
richtet sich daher gegen eine ethnische Polarisierung und
geht von einer gemeinsamen Verantwortung von Minderheiten
und Mehrheiten aus. Denn echten Schutz kann hier die Gesellschaft
als Ganzes bieten, indem sie die Minderheiten in die Mitte
unserer Gesellschaft holt. Es geht nicht darum, Minderheiten
bloß zu tolerieren, es geht darum, klar zum Ausdruck zu bringen,
daß die Minderheiten ein Teil von uns, ein Teil Österreichs
sind. In einer solidarischen Gesellschaft bedarf es einer
neuen Kultur des Zusammenlebens von Minderheiten und Mehrheiten
unter gemeinsamer Verantwortung aller. Falsch verstandene
Toleranz hilft den Minderheiten nicht.
Worauf es ankommt, ist ihnen entsprechend Platz in der Gesellschaft
einzuräumen. Einen Beitrag dazu soll auch diese Homepage der
Minderheiten in Österreich leisten. Das Minderheitenprogramm
der Grünen bezieht sich sowohl auf „alte" (autochthone) als
auch auf „neue" Minderheiten (Migrationsminderheiten). Wir
gehen davon aus, daß die Probleme im Grunde ident sind. Das
trifft vor allem auf sprachlich und kulturell bedingte Anliegen
(muttersprachlicher Unterricht, Bewahrung der Identität, Multikulturalität,
Diskriminierung, etc.) zu.
"Neue"
Minderheiten haben aber zusätzlich zu diesen Problemen noch
viele andere Schwierigkeiten in unserer Gesellschaft, die
vor allem im sozialen und politischen Bereich zu suchen sind.
Diese Homepage ist sowohl den „alten", als auch den "neuen"
Minderheiten Österreichs gewidmet. Sie ist die erste dieser
Art, die eine umfassende Dokumentation über die Lage aller
Minderheiten Österreichs im beginnenden 21. Jahrhundert via
Internet zugänglich macht.
Den Leserinnen und Lesern soll diese Homepage Einblicke in
die Lage der Minderheiten Österreichs und Verständnis für
deren berechtigte Anliegen bieten.
Außerdem ermöglicht sie an vielen Stellen den direkten Kontakt
zu den einzelnen politischen und kulturellen Organisationen.
In diesem Sinn ist auch diese Homepage ein Teil des großen
Ziels, Minderheiten vom Rand in die Mitte der Gesellschaft
zu bringen.
Abg. z. NR Dr. Wolfgang Zinggl, Minderheitensprecher der Grünen
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